Thelma, Louise und die KI / Akt 8

Flucht nach vorn statt Kopf in den Sand. Als KI plötzlich alles in Frage stellte, hatte ich zwei Optionen – ich habe mich für die aktive entschieden.

Marlies Keck 3 Min. Lesezeit

Der Moment, in dem ich Angst hatte

Erinnerst du dich an Thelma & Louise? Zwei Frauen auf der Flucht, ein wilder Roadtrip – und kein Happy End. Sie wurden so in die Enge getrieben, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sahen, als in den Abgrund zu fahren.

So dramatisch ist meine Geschichte nicht. Aber eine Parallele sehe ich schon: Als die ersten KI-Tools aufkamen, fühlte ich mich auch in die Enge getrieben. Plötzlich stand eine Frage im Raum, die ich nicht ignorieren konnte: Wenn eine Maschine Texte schreiben kann – was braucht es dann noch mich?

Der Unterschied zwischen Flucht und Kurs halten

Ich hätte in dieser Frage stecken bleiben können. Die Entwicklung schlechtreden, ignorieren, fürchten. Stattdessen habe ich mich entschieden, der Gefahr in die Augen zu sehen. Know your enemy, sozusagen.

Das heisst konkret: Ich habe Tools ausprobiert, Prompts gelernt, verstanden, wo KI wirklich gut ist – und wo nicht. Nicht, um sie zu bekämpfen. Sondern um sie zu verstehen. Nur so kann ich dafür sorgen, dass sie mir nützt, statt mir zu schaden.

Wer sitzt am Steuer?

Um im Bild zu bleiben: Ich steuere nicht in den Abgrund. Ich entscheide, wohin die Reise geht. Die KI ist dabei mein Assistenzsystem – nicht meine Fahrerin. Sie fordert mich heraus, weist mich in die Schranken, wenn ich vom Plan abweiche, macht mich auf blinde Flecken aufmerksam.

Aber im Driverseat bleibe ich. Ich führe das Gespräch mit dem Kunden. Ich verstehe den Kontext, die Branche, die Geschichte hinter der Geschichte. Ich entscheide, was erzählt wird und wie. Was KI nämlich nicht kann: auf dem Traktor sitzen und dem Bauern zuhören. Den Moment erspüren, in dem ein Interviewpartner aufhört, vorsichtig zu sein. Die Seele eines Unternehmens sehen.

Ich kann das.

Von der Texterin zur Content-Strategin

Genau das hat mir den Weg gezeigt: weg von der reinen Texterin, hin zur Content-Strategin – jemand, der nicht nur schreibt, sondern denkt, plant, führt. Und dabei genau weiss, welches Werkzeug wann hilft.

Das ist der Unterschied zwischen Angst und Souveränität. Zwischen «die Maschine übernimmt» und «die Maschine unterstützt mich, während ich lenke».

Fährst du noch planlos – oder nutzt du KI als Fahrassistenzsystem?

→ Akt 8 aus «10 Jahre keck.ch – In zehn Akten». Jede Woche erscheint ein neuer Beitrag. Nächste Woche: Akt 9.