One-Woman-Show statt Agentur? / Akt 7

«Können Sie auch grössere Projekte stemmen? Wir sind es eher gewohnt, mit Agenturen zu arbeiten.» Diese Sätze höre ich öfter, als mir lieb ist.

Marlies Keck 3 Min. Lesezeit

Was eine Solo-Selbstständige nicht zeigt

Ich verstehe die Zweifel bezüglich Klumpenrisiko. Agenturen zeigen ein Team, ein Portfolio, Backup. Eine Solo-Selbstständige zeigt das nicht. Nur eine Person, die für Strategie, Text und Ergebnis geradesteht.

Das heisst nicht, dass ich bei Grossprojekten alleine arbeite. Für Foto, Video oder die tägliche Social-Media-Pflege beziehe ich ein eingespieltes Netzwerk an Fachleuten bei. Der Unterschied zur Agentur: Nichts läuft an mir vorbei. Ich briefe, kontrolliere, verantworte – für jeden Kanal. Ich kenne die Stimme des Unternehmens und sorge so dafür, dass alles stimmig wirkt.

Der Schmerz einer verlorenen Anfrage

Es gibt Anfragen, bei denen ich sofort weiss: Das wäre meins. Das Thema, der Kunde, das Projekt. Ich hätte die richtigen Fragen gestellt. Ich wäre tief eingetaucht. Ich hätte etwas kreiert, das bleibt.

Und dann kommt die Rückmeldung: Sie haben sich für eine Agentur entschieden. Manchmal noch vor der Offertstellung.

Ich verstehe es. Agenturen wirken sicher. Grösser. Strukturierter. Man sieht die Mitarbeitenden, das Portfolio, die Fallstudien.

Was man nicht sieht: Wer am Ende wirklich schreibt. Und ob dieser Mensch den Kunden kennt – oder gerade eingearbeitet wird.

Ich könnte das alles erklären in einem Pitch. Ich könnte zeigen, wie ich arbeite, was ich leiste, warum meine Grösse kein Nachteil ist. Kein Overhead, kein Personalwechsel, keine Umwege.

Aber manchmal bekommt man diese Chance nicht.

Und dann erinnere ich mich an eine Parabel.

Ein Bauer findet ein Pferd. Die Nachbarn sagen: Was für ein Glück! Der Bauer antwortet: Vielleicht. Sein Sohn reitet das Pferd, fällt herunter und bricht sich das Bein. Die Nachbarn: Was für ein Unglück! Der Bauer: Vielleicht. Dann kommt die Armee und nimmt alle jungen Männer mit – ausser dem Sohn, weil er verletzt ist. Die Nachbarn: Was für ein Glück! Der Bauer: Vielleicht.

Good thing, bad thing, who knows?

Vielleicht war der Auftrag, den ich nicht bekommen habe, das Pferd, das ich nicht gebraucht hätte. Vielleicht kommt dafür der richtige Kunde – einer, der versteht, was One-Woman-Show wirklich bedeutet.

Ich warte also, mit einem «Vielleicht» im Gepäck.

Was das für dich bedeutet

Grösse ist kein Qualitätsmerkmal. Kontinuität ist eins. Wer schreibt wirklich? Wer koordiniert, wenn mehrere Kanäle bespielt werden? Wer trägt die Verantwortung, wenn etwas nicht passt?

Diese Fragen bringen dich weiter als jedes Agentur-Portfolio.

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→ Akt 7 aus «10 Jahre keck.ch – In zehn Akten». Jede Woche erscheint ein neuer Beitrag. Nächste Woche: Akt 8.