Das beste schlechte Jahr / Akt 3

Frühjahr 2020. Die Welt hielt den Atem an. Lockdown, Homeoffice, Videokonferenzen mit Kindergeschrei im Hintergrund. Und eine Frage: Bricht mein Business jetzt zusammen?

Marlies Keck 3 Min. Lesezeit

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich mich für Kurzarbeitsentschädigung angemeldet habe. Es schien das einzig Vernünftige. Alle rieten dazu. Alle erwarteten den Einbruch – Kunden würden Budgets streichen, Projekte verschieben, Ausgaben stoppen, sobald Unsicherheit ins Spiel kommt. Das ist die logische Reaktion in einer Krise.

Ich sass also mit ausgefülltem Formular da und wartete auf das, was alle vorhergesagt hatten.

Was stattdessen passierte

Die Anfragen kamen. Nicht weniger. Mehr.

Unternehmen, die plötzlich kommunizieren mussten wie nie zuvor: intern, über Homeoffice-Regelungen, über Kurzarbeit, über Zusammenhalt in einem Team, das sich plötzlich nicht mehr im gleichen Raum sah. Unternehmen, die die ungewohnte Stille draussen nutzten, um drinnen umso mehr zu tun – neue Konzepte, überarbeitete Positionierungen, Kommunikation, die sie sich im hektischen Alltag vorher nie erlaubt hatten.

Ich habe die Kurzarbeitsentschädigung nie beansprucht. 2020 und 2021 wurden bis dahin meine umsatzstärksten Jahre. Nicht weil ich es klug eingefädelt hätte. Sondern weil ich zur falschen Zeit am richtigen Ort war – mit einer Fähigkeit, nach der plötzlich alle suchten.

Warum ausgerechnet Krisen nach Worten verlangen

Das hat mich selbst überrascht, und ich habe eine Weile gebraucht, um zu verstehen, warum. Die Erklärung ist simpel, wenn man sie einmal sieht: Unsicherheit erzeugt ein Vakuum. Mitarbeitende wissen nicht, woran sie sind. Kunden fragen sich, ob ein Lieferant noch liefert. Führungskräfte merken, dass ihr Schweigen lauter wirkt als jedes Statement.

Und in dieses Vakuum tritt entweder jemand mit klaren, ehrlichen Worten – oder das Vakuum füllt sich von selbst, mit Spekulation, Sorge, Gerüchten. Kommunikation ist in ruhigen Zeiten ein Vorteil. In unsicheren Zeiten ist sie eine Notwendigkeit. Das ist der Unterschied, den ich 2020 am eigenen Leib erlebt habe, ohne ihn vorher in einem Lehrbuch gelesen zu haben.

Menschen, die in solchen Momenten erzählen können, was gerade wirklich passiert – klar, ehrlich, ohne Panik, ohne Beschönigung –, werden nicht überflüssig. Sie werden gebraucht wie selten sonst.

Was das für dich bedeutet, wenn es wieder unruhig wird

Die nächste Krise kommt bestimmt, in welcher Form auch immer – eine Marktverschiebung, ein Lieferengpass, ein interner Umbruch. Die Versuchung in solchen Momenten ist immer dieselbe: den Kopf einziehen, abwarten, möglichst wenig sagen, bis wieder Klarheit herrscht. Genau das ist der Reflex, der 2020 fast auch meiner gewesen wäre.

Die Erfahrung von damals sagt mir das Gegenteil. Wer in der Unsicherheit kommuniziert – intern zuerst, dann nach aussen –, verliert nicht an Kontrolle. Er gewinnt Vertrauen, das lange über die Krise hinaus hält. Schweigen fühlt sich in der Krise sicher an. Es ist meistens das Riskanteste, was ein Unternehmen tun kann.

Steht dein Unternehmen gerade an einem Punkt, an dem Schweigen die einfachere, aber falschere Option wäre? Dann lass uns darüber sprechen, wie deine Kommunikation auch dann trägt, wenn draussen gerade niemand mit ruhigem Fahrwasser rechnet.

→ Akt 3 aus «10 Jahre keck.ch – In zehn Akten». Jede Woche erscheint ein neuer Beitrag. Nächste Woche: Akt 4 – Picasso und der Preis der Erfahrung.